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Grundannahmen über
die Zukunft der Weiterbildung
- Aus-
und Weiterbildung muss künftig auch im gewerblichen Facharbeiterbereich
durch kontinuierliche Weiterbildung ergänzt, aktualisiert und
fortgeführt werden ("Lebensbegleitendes Lernen").
Dies ist eine notwendige Begleiterscheinung sich ständig wandelnder
Technologien und Produkte sowie posttayloristischer Arbeits- und
Produktionskonzepte in hochproduktiven und hochautomatisierten Fertigungssystemen.
Die traditionelle Konzeption, wonach Facharbeiter durch eine dreieinhalbjährige
Berufsausbildung abschließend qualifiziert sind und Weiterbildung
danach nur noch interessant ist für den beruflichen Aufstieg
in die Meisterposition, ist überholt. Sie hat zu einer strukturellen
Weiterbildungslücke und zu einer Unterrepräsentierung
von gewerblichen Arbeitnehmern
in der beruflichen Weiterbildung geführt.
- Lebensbegleitendes Lernen als fester Bestandteil der Facharbeiterentwicklung
ist nur durch Entschulung der Weiterbildung zu realisieren. Dies
ergibt sich schon allein aus einer quantitativen Betrachtung. Gegenüber
den heutigen Verhältnissen müsste das betriebliche Weiterbildungsvolumen
sich jährlich vervielfachen, um diesem Ziel gerecht zu werden.
Mit geblockten Lehrgängen off the job würde dies nie zu
schaffen sein. Es müssen vielmehr neue, differenzierte und
flexiblere Weiterbildungsformen entwickelt werden, die deutlich
mehr Beschäftigte erreichen, ohne dass die Kosten explodieren.
Außerdem besteht in produktionsfernen Lehrgängen und
Schulungen oftmals die Gefahr einer Ansammlung von "trägem
Wissen", das gegenüber der Praxis zu schnell veraltet.
Notwendig ist daher die Verstärkung arbeitsplatznaher und arbeitsintegrierter
Lernformen, sowie eine bessere Verzahnung von Learning on the job,
near the job und off the job.
- Flexibilisierung und Individualisierung beruflicher Weiterbildung
schöpft die Lernpotentiale der Facharbeiter besser aus und
verbessert auch die Weiterbildungsmotivation. Damit kann auch der
Nutzen von Weiterbildung erhöht werden. Trotzdem bleibt betriebliche
Weiterbildung eine organisierte und planmäßige Veranstaltung.
Entscheidend ist der Rollenwandel des Trainers oder Dozenten zum
Coach, hin zum Lernberater und Organisator von Lernprozessen. Dies
bedingt einen deutlichen Qualifikations- und einen Mentalitätswandel,
der wiederum selbst zu organisieren ist. Die Bildungsbereiche der
Industrie haben künftig vor allem die Aufgabe, die Organisationsentwicklung
von Weiterbildung im Unternehmen voranzutreiben und als interner
Bildungsdienstleister die Fachbereiche zu beraten, Multiplikatoren
zu schulen und Weiterbildungsmanagement für die Produktion
zu betreiben.
- Die heutigen Möglichkeiten von E-Learning unterstützen
dezentrale, arbeitsintegrierte Weiterbildungssysteme. Sie helfen,
ihre Qualität zu verbessern und können die notwendige
Expansion wie auch die Dezentralisierung und Individualisierung
von betrieblicher Weiterbildung beschleunigen. Zugleich bieten sie
Problemlösungen für die Verfügbarmachung großer
Mengen von Wissen und für die schnelle und kostengünstige
Anpassung von Inhalten. Sie verbessern auch den Praxisbezug von
Lernen, denn berufliches Lernen zielt auf Handlungskompetenz und
Handeln lernt man nur durch Handeln. Gerade für handlungsorientierte
und praxisnahe Weiterbildung eignen sich die neuen Medien besonders
gut. Sie erlauben mehr selbstbestimmtes Lernen und bieten realitätsnahe
Übungs- und Experimentiermöglichkeiten. Sie unterstützen
damit das Leitbild vom selbständig handelnden Facharbeiter.
Netzbasiertes Lernen steht der Gruppenarbeit nicht im Wege. Eine
Isolation durch zuviel Einzellernen ist nicht zu befürchten.
In gewissem Sinne schafft E-Learning mit seinen aktuellen Möglichkeiten
erst die Voraussetzung dafür, die gesamte Belegschaft kontinuierlich
in Weiterbildung einzubeziehen. Da Internet, Intranet und Mutimedia
auch in der Produktion Einzug halten und künftig auch alle
Facharbeiterplätze Netzzugang haben werden (DCAG steckt mit
seinem Projekt "E-People" mitten in dieser Entwicklung),
ist E-Learning als strategischer Hebel für "lebenslanges
Lernen" auch für Produktionsarbeiter realistisch.
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