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Vorwort
Wir beobachten derzeit eine lerntechnologische Offensive
im Bildungswesen, die sich mit Schlagworten verbindet wie „Schulen ans
Netz", Telelernen, Webbased Training, E-Learning u.a.m.. Zum Teil
drückt sich darin der Rückstand unseres Bildungswesen gegenüber der informationstechnischen
Entwicklung aus. Die Informationsgesellschaft ist in unseren Schulen noch
nicht angekommen.
Die Entwicklung der IuK-Technologien ist allerdings
schneller vorangegangen als viele erwartet haben. Wer hatte 1993
einen Internetanschluss zu Hause ? Heute sind in Deutschland 18
Millionen „User". Alle großen Firmen stellen derzeit die Weichen
dafür, in den nächsten Jahren sämtliche Arbeitsplätze per Intranet
und / oder Internet zu vernetzen. Das gilt auch für die Produktionsbereiche
und alle Facharbeiterplätze.
Für die Azubis in den neuen IT-Berufen sind diese
Möglichkeiten ohnehin zur Selbstverständlichkeit geworden. Sie diskutieren
im Netz, sie holen sich Fachinformation und Prüfungsinfos aus dem
Netz. Im Internet finden sich mittlerweile mehr als 50 Adressen,
die IT-Ausbildung zum Thema haben. Das Netz ist ein neuer
Lernort geworden. Zum größten Teil geschieht dies ohne die
offiziellen Bildungsinstitutionen, die für Berufsausbildung verantwortlich
sind. Aber auch „offline" bietet der Computer viele Möglichkeiten
innerhalb einer Ausbildung. Multimedia, d.h. die Verbindung von
Wort und Bild und Film, Farbe, Interaktion bis hin zur „Virtual
Reality" bietet Darstellungs- und Arbeitsmöglichkeiten, die
bisher in der Berufsbildung nur wenig genutzt werden.
Diese Problematik wollen wir in den folgenden Abschnitten
aufarbeiten. Damit wenden wir uns an Ausbilderinnen und Ausbilder,
an Berufsschullehrerinnen und Berufsschullehrer.
Wir haben eine Materialsammlung zusammengestellt
zum aktuellen Stand der Medienentwicklung und der Mediendidaktik
in der betrieblichen Berufsausbildung. Darüber hinaus finden Sie
eine Einführung in die jeweiligen Abschnitte und einen Katalog von
FAQ’s für schnelle Leser und Leserinnen, so dass Sie mehrere Möglichkeiten
haben, diesen Ausbilder-Leittext zu nutzen.
Gerade in den neuen Berufen wird man an der Nutzung
des Internet, von computergestützten Lernmethoden und auch von computerbasierten
Prüfungen wie gesagt nicht vorbeigehen können. Gehört doch der Umgang
mit diesen Medien zum täglichen Handwerkszeug der bereits der meisten
Fachkräfte. „Edutainment" ist eine Wachstumssparte der IT-Anbieter
und Verlage geworden; eine Entwicklung, die derzeit durch großangelegte
Förderprogramme des Bundes und der Länder unterstützt wird (z.B.
BMBF-Förderprogramm „Neue Medien in der Bildung").
Bisher dominieren am Bildungsmarkt noch die Printmedien;
der Schulbuchmarkt wird mit einem Jahresumsatz von ca. 1 Mrd. DM
geschätzt. Lernsoftware stellt hierzu gegenwärtig noch keine ernsthafte
Konkurrenz dar. Das soll sich in den nächsten Jahren deutlich ändern.
Mummert und Partner sagen für 2004 ein Volumen von 4 Mrd. Euro für
den E-Learning-Markt voraus.
Auch wenn man von den Fachbüchern absieht, ist
Medieneinsatz für die Berufsausbildung nichts Besonderes und alltägliche
Praxis. Viele dieser Medien waren schon bisher selbstproduziert,
ob es sich nun um Arbeitstransparente (neudeutsch: Charts) oder
um technische Anschauungsmodelle handelte. Mit dem Einzug der C-Techniken
in Büro und Fabrik kam es auch bald zur Nutzung von Computern für
Ausbildungszwecke. Lernsoftware ist daher nichts Unbekanntes. Jedem
leuchtet ein, dass es sinnvoll ist, die CNC-Steuerung von Werkzeugmaschinen
zunächst an einem PC zu üben, bevor man in die Praxis geht. Je teurer
und komplizierter die Maschinen, desto weniger Fehlerrisiken kann
man sich leisten. Simulationsmodelle im gewerblich-technischen Bereich
machen Sinn. Der Aufwand zur Entwicklung solcher komplexen Übungsmöglichkeiten
ist allerdings noch sehr hoch.
Wir wollen allen Interessierten mit den bereitgestellten
Materialien, Beispielen und Texten einen Überblick über das bestehende
Angebot von Lernmedien für die Berufsausbildung geben, Modelle und
Konzepte aus der Berufsausbildung vorstellen, aber auch auf Beurteilungsmaßstäbe
und Qualitätskriterien für die Medienentwicklung hinweisen. Denn
Medien allein machen noch keine gute Ausbildung. Deshalb sind auch
Texte dabei, die sich kritisch mit Standards und Entwicklungsstand
der neuen Medien auseinandersetzen.
Michael Ehrke, IG Metall Vorstand, Berufsbildung
Günter Hartmann, Plan B GmbH, Wissenschaftliche
Begleitung LiviA
Berlin, Frankfurt am Main
Februar 2002
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