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Home>Lernen mit neuen Medien>Gründe für die Ablehnung neuer Medien bei Lehrern

Aus der Diskussion in der Lehrerschaft:

Gründe für die Ablehnung neuer Medien bei Lehrern

Mit hohem Kostenaufwand werden derzeit Deutschlands Schulen mit neuen Medien ausgestattet. Oft ist an den Schulen jedoch zu beobachten, dass der Einsatz der neuen Medien eine Domäne einiger weniger engagierter Lehrer ist. Die Mehrzahl der Lehrer dagegen scheut die neuen Medien oder lehnt sie sogar komplett ab. Wie kommt das?

Einer der Hauptgründe dürfte einfach Unsicherheit im Umgang mit Computern sein. Fast schon als Vorwurf formulieren es Ute und Karl-Heinz Diehl so: "Die Technologieabstinenz vieler Lehrer muss erst gar nicht thematisiert werden. Schließlich müssen sich die Lehrer nicht, so wie die meisten anderen Arbeitnehmer, auf das Technologiezeitalter einlassen und den Umgang mit Tastatur und Bildschirm lernen. Sie können ihren Job noch ohne PC bewältigen." Das mag sehr verallgemeinernd klingen, in Einzelfällen mag aber schon etwas dran sein. Nicht jeder Lehrer hat pädagogische Argumente für seine Ablehnung.

Ein weiterer Grund ist Angst: Angst vor Veränderung, Angst vor der Technik, Angst vor Autoritätsverlust und Angst vor der Öffentlichkeit.

       Die Angst vor Veränderung dürfte vor Allem bei älteren Lehrern eine große Rolle spielen. Die Entwicklung auf dem Gebiet der neuen Medien geht rasend schnell. Viele haben das Gefühl, von Allem überrannt zu werden und den Anschluss verpasst zu haben. Wer sein Lehrerleben lang einen Unterrichtsstil hatte, wirft nicht plötzlich alles Bisherige über den Haufen.

       Technikangst und Angst, sich bei Fehlfunktion oder falscher Bedienung vor den Schülern zu blamieren, ist weit verbreitet. Fort- und Weiterbildung, um Ängste vor dem Computer bei Lehrern abzubauen, gibt es in weitaus geringerer Anzahl, als neue Computer und Netzanschlüsse in die Schulen gelangen. Dies trägt sicher zur Verschärfung des Problems bei einigen Lehrern bei.

       Beim Einsatz von neuen Medien ändert sich (zumindest langfristig) die Position des Lehrers: Er ist nicht länger "Monopolinformationsprovider" sondern bekommt massive Konkurrenz durch Internet, Lexikon-CD-ROM und dergleichen. Bei konsequentem Einsatz ändert sich die Rolle des Lehrers hin zum Wissensmanager. Er kündigt am Anfang an, was zu erforschen ist und dient sonst als Berater und Beistand bei Problemen. Viele Lehrer sehen in diesem Rollenwechsel einen Autoritätsverlust und fürchten, von den Schülern nicht mehr ernst genommen zu werden.

       Der letzte Punkt ist die Angst vor der Öffentlichkeit. Mit den neuen Medien ist oft eine Öffnung der Schulen nach außen verbunden. Auf der Schulhomepage werden häufig Unterrichtsergebnisse veröffentlicht oder Projekte vorgestellt. Eines der krassesten Zitate dazu habe ich in einer Newsgroup ohne Namensangabe gefunden: "Die neuen Computermedien schaffen Glasnost und Perestroika, die wie in der ehemaligen Sowjetunion den Blick auf Inkompetenz und Schlamperei offen zu legen drohen.". Der wahrscheinlich bewusst anonym auftretende Autor geht mit Lehrern hart ins Gericht. Ich glaube, dass diese Ängste - wenn überhaupt - nur einen Bruchteil der Lehrer betreffen.

Alles aus "Computerablehnung und -angst bei Lehrern" auf http://www.schulweb.de.

Gründe für eine Computereuphorie?

Zu jeder Position gibt es auch eine Gegenposition. Werfen computerbegeisterte Lehrer ihren computerablehnenden Kollegen indirekt vor, sie seien zu faul, um sich der neuen Situation anzupassen, so drehen die computerablehnenden Lehrer die Argumentation um: "Computer im Klassenraum sind die Filmsäle der neunziger Jahre", warnt der Internetpionier Clifford Stoll vor allzuviel Euphorie in Sachen neue Medien und Lernerfolg. "Wir mochten Schulfilme, weil wir eine Stunde lang nicht zu denken brauchten. Unsere Lehrer mochten sie auch, weil sie in der Zeit nicht unterrichten mussten."

Die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten der neuen Medien sind in der Praxis doch nicht so unbegrenzt. Nichts ersetzt bisher Papier und Bleistift, wenn es um schnelle Skizzen und Notizen geht. Gerade in der Oberstufe ist es nach den Erfahrungen des "Mobilen Klassenzimmers" (eine komplett mit Notebooks ausgestattete Klasse am Reutlinger Isolde-Kurz-Gymnasium) unmöglich, die beispielsweise in Chemie immer wieder auftauchenden Versuchsaufbauten schnell mitzuzeichnen. Bei reinem Fließtext in einem Deutschaufsatz ist der Computer natürlich unschlagbar. Auch die Präsentationsmöglichkeiten sind eine Stärke der Computer. Hinzu kommt noch die faszinierende Multimediatauglichkeit heutiger Computer. Dies verführt leider zu einer Art von Euphorie, ohne auch die kritischen Seiten zu sehen.

Fazit

Neue Medien sind kein Allheilmittel und genausowenig völlig überflüssiges Millionengrab. Es gilt den Mittelweg zwischen Skepsis und Euphorie zu finden. Wo sich der Medieneinsatz anbietet, kann er, wenn das Konzept durchdacht ist, sicherlich keinen Schaden anrichten, sondern im Gegenteil die Effizienz extrem steigern. Man muss aber auch ganz klar sehen, dass es auch Wissensgebiete gibt, die nicht durch ein Medium begreiflich zu machen sind und auf diesen Gebieten macht ein Medieneinsatz folglich keinerlei Sinn. Ein Schüler wird wahrscheinlich die Hebelgesetze nie verstehen, wenn er nicht selbst einmal am längeren Hebel saß, sondern nur die längere Seite einer Grafik mit der Maus hin und her geschoben hat.

Welche Vorteile ergeben sich in der Praxis?

Beim Unterricht mit neuen Medien ergeben sich einige positive Änderungen zum herkömmlichen Unterricht.

       Die Position des Lehrers ändert sich. Er ist nicht länger Frontalperson, sondern mitten unter den Schülern und ist nur bei Fragen wirklich erforderlich (technische Probleme erfordern aber nahezu immer seine Anwesenheit). Das hat den Vorteil, dass sich der Lehrer während die Klasse selbstständig arbeitet einzelnen Problemfällen intensiver zuwenden kann.

       Ein fächerübergreifender Unterricht ergibt sich bald automatisch, dadie neuen Medien das Verbindungsglied durch alle Fächer sind. Beispielsweise könnte in Biologie die DNS mit Hilfe einer 3D-Animation dargestellt werden, die vom Informatikkurs erstellt wurde. Langfristig wird sich das Lernen in der Schule immer mehr der Arbeitsweise an der Universität annähern.

       Die Unterrichtsergebnisse können auf die Schulhomepage geladen werden und stehen damit einer großen Zahl potentieller Besucher direkt zur Verfügung. Die Schüler erleben das Internet nicht nur als passive Konsumenten, sondern werden mehr und mehr zu aktiven Produzenten. Dadurch dass das Ergebnis der "Öffentlichkeit" zur Verfügung gestellt wird, bekommt die Arbeit einen neuen Sinn und die Motivation, sich durch ein gutes Ergebnis gut darzustellen, nimmt zu.

       Leistungsstarke Schüler lassen sich besser in den Unterricht integrieren, da der einzelne Schüler autonomer arbeitet. Wer früher als die anderen fertig ist, stellt eben solange kurz die News des Tages auf die Homepage.

       Die Bereitschaft, sich auch außerunterrichtlich zu engagieren nimmt zu. Jemand muss die Schulhomepage pflegen, ein anderer übernimmt das Netzwerk im Computerraum und der nächste archiviert alte Ausgaben der Schülerzeitung im Netz. Der praktische Bereich wird freiwillig von den Schülern gestärkt, ohne dafür das Theoretische zu reduzieren. Alles Fähigkeiten, die im späteren Beruf hilfreich sein könnten.

       "Gerade die Schüler, die man im herkömmlichen Unterricht wohl eher als mittelmäßig einstufen würde, entwickeln - sich selbst überlassen und mit genügend Zeit ausgestattet - ein erstaunliches Geschick, Probleme nicht nur zu lösen, sondern auch die Lösung verständlich und manchmal sogar didaktisch sehr geschickt darzustellen. Das kommt offensichtlich daher, dass sie sich die Lösung selbst erarbeitet haben und dann wissen "wos lang geht". Dieses Erfolgserlebnis teilt man natürlich gerne mit."

       "Prüfung heißt bis heute noch immer, dass Fakten und Fertigkeiten vor der Prüfung im Kopf abgespeichert werden und während der Prüfung wiedergegeben werden. Die Fähigkeit, ein Problem mit allen zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln zu lösen, wird in die Nähe des Täuschungsversuchs gerückt, anstatt sie zu fördern. Dabei sind es gerade diese Fähigkeiten, die der Schüler im späteren Leben brauchen wird: Das Problem einordnen können, wissen welche Hilfsmittel sich zur Lösung eignen, diese Hilfsmittel sachgerecht einsetzen können, das Problem damit lösen und in verständlicher Form dokumentieren."

Der Schüler wird zum

Techniker: Der ständige Umgang mit der Technik wirkt selbsterziehend.

Forscher: Die Vielzahl an Möglichkeiten bei der Arbeit ist wesentlich realistischer als Frontalunterricht. Der Schüler lernt, durch Erfolg und Misserfolg ein Ziel zu erreichen, ohne dass er für den Misserfolg bestraft wird (wie im Berufsleben).

Lehrer: Der Schüler kann Erlerntes weitergeben und erwirbt so auf natürlichem Weg didaktische und methodische Fähigkeiten.

Autor: Durch die Dokumentation wird der Schüler zur verständlichen und formal ansprechenden Wiedergabe seiner Erkenntnisse erzogen.

Organisator: Beim Umgang mit der Fülle von Materialien im Netz erlernt der Schüler die zweckmäßige Abfolge von Tätigkeiten und die Abstimmung mit Tätigkeiten anderer."

Quelle: Neue Medien in der Schule Online Kurs unter:
http://home.t-online.de/home/t_steiner/theoretische_betrachtung.html.