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Aus: BMBF : Anschluss statt Ausschluss – IT in der Bildung
3.7. Neue Medien in der beruflichen Bildung auch
außerhalb der IT-Wirtschaft nutzen
Jetzt gilt es, ähnliche Lösungen für andere Branchen zu entwickeln,
die den jeweils unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden. Hier brauchen
wir maßgeschneiderte Bildungsangebote. Ähnlich wie bei der IT-Branche muss am
Anfang eine Analyse der bestehenden Angebote und Konzepte erfolgen: Wo ist der
dringende Bedarf – in der Erstausbildung oder der Weiterbildung? Wie können
beide (in einem zweiten Schritt) verzahnt werden? Wie können bestehende Angebote
und Anbieter einbezogen werden?
Das BMBF ist mit verschiedenen Branchen im Gespräch – zur Zeit die KfZ- und
Chemiebranche. Schwerpunkte sollen beschäftigungsintensive oder wachstumsstarke
Branchen sein; Ziel ist jeweils die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes und eine
Umsetzung mit Breitenwirkung. Für den Schwerpunkt berufliche Bildung des Förderprogramms
Neue Medien in der Bildung sind für den Zeitraum 2000-2004 Bundesmittel in Höhe
von 100 Mio. DM eingeplant.
3.8. Netzbasiertes Lernen in der Breite fördern
Technik und Märkte ändern sich mit einer derart hohen Geschwindigkeit, dass
nur eine zeitnahe Integration der Bildungsinhalte an den Arbeitsplatz zum Erfolg
führt. Training-on-the- job mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien
gewährleistet unmittelbaren Zugang auf aktuelle Lernangebote, die direkt in
den Arbeitsprozess integriert werden können. Modulare Gestaltung der Lehr- und
Lerninhalte ermöglicht eine individuelle Auswahl und eine große Wiederverwendbarkeit
der Angebote.
3.8.1. Mittelstand einbeziehen
Eine Potenzialanalyse für Netzbasiertes Lernen in kleinen und mittleren
Unternehmen, die 1999 im Auftrag der Bundesregierung durchgeführt wurde, ergab,
dass annähernd jeder vierte Mittelständler bereits Multimedia in der betrieblichen
Weiterbildung einsetzt. Weitere 17 % planen gegenwärtig den Einsatz multimedialer
Lernmittel. Allerdings beziehen gegenwärtig nur 7 % das Internet in die Weiterbildung
ein. Hier besteht für kleine und mittlere Unternehmen ein bislang noch wenig
ausgeschöpftes Potenzial, den ständig steigenden Qualifikationsbedarf ihrer
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter flexibel und kostengünstig abzudecken.
3.8.2. Best practice fördern und verbreiten
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat deshalb
den Wettbewerb LERNET – Netzbasiertes Lernen in Mittelstand und öffentlichen
Verwaltungen auf den Weg gebracht. Der Wettbewerb dient der Entwicklung und
Erprobung von netzbasiertem Lernen in kleinen und mittleren Unternehmen sowie
in öffentlichen Verwaltungen. Durch LERNET sollen best-practice Beispiele gefördert
werden, die zur Entwicklung und Verbreitung neuer Formen der Weiterbildung beitragen
und Nachahmungseffekte auslösen.
3.8.3. Strukturen und Werkzeuge für den breiten Einsatz
multimedialen Lernens schaffen
Eine alltagstaugliche Infrastruktur für multimediales Lehren und
Lernen in Bildungszentren und am Arbeitsplatz wurde im Leitprojekt „L 3 - Lebenslanges
Lernen“ entwickelt, die derzeit in ersten Kursangeboten von Bildungszentren
erprobt wird. Das selbstgesteuerte oder von Teletutoren unterstützte Lernen
am Arbeitsplatz und in netzgestützten Bildungsverbünden wird auf dieser Basis
Realität. Damit erhalten KMU den Zugang zu effizienten multimedialen Ausbildungsformen,
die bisher vor allem von großen Unternehmen eingesetzt wurden.
Aus: Enquete-Kommission Multimedia Landtag Baden.-Württemberg
3.3.2.2 Berufliche Bildung
Die moderne, schnellebige Gesellschaft stellt im Bereich der Berufsbildung
heute besondere Anforderungen an die Höherqualifizierung und vor allem an die
Flexibilität der Arbeitnehmer. In immer kürzeren Zeitabständen werden Kenntnisse
und Fertigkeiten wertlos, weil sie von neuen Entwicklungen überholt werden.
Ganze Berufsbilder verändern sich rasant oder entfallen sogar vollständig. Man
denke hierbei nur an die dramatischen Änderungen der
beruflichen Anforderungen in der gesamten Druckbranche, die sich in kurzer
Zeit vom Handwerk zur Industrie entwickelt hat, in der ganz selbstverständlich
in großem Umfang Hochleistungsrechner zur Verarbeitung der anfallenden Informationen
eingesetzt werden. Das bedeutet, daß sich zunehmend neue Berufsbilder entwickeln
müssen. Im Bereich der Druckindustrie sind dies zum Beispiel Medienoperator/in
und Mediengestalter/in.
Diese neuen Berufsfelder stellen den Versuch dar, auf die Herausforderungen
durch die erweiterten Möglichkeiten, die Multimedia bietet, zu reagieren.
Bei der beruflichen Bildung erscheint der Einsatz von Multimedia besonders
wichtig, weil es heute kaum noch ein Berufsfeld gibt, bei dem auf den Einsatz
von Rechnern für die Berufsarbeit, vor allem aber für die dauernde berufliche
Weiterbildung, verzichtet werden kann. Konsequenter als bisher sollten alle
die Berufsbilder von Medientechniken durchdrungen werden, bei denen es für
die Berufsausbildung erforderlich ist. Ein hohes Maß an Flexibilität und beruflicher
Mobilität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist nur sicherbar, wenn sie
eine relativ breit angelegte Ausbildung erhalten.
Ein verstärkter Multimediaeinsatz in der beruflichen Bildung kann insbesondere
verhindern, daß sich die Entwicklung zu einem Zweischichtenmodell fortsetzt,
wie sie sich zur Zeit andeutet: Während akademisch Ausgebildete oft breite
Erfahrungen im Multimediabereich gesammelt haben, insbesondere vermittelt
durch den praktischen Umgang mit dem Internet, verfügen die Absolventen des
dualen beruflichen Ausbildungssystems zwar über PC-Kenntnisse, verstehen den
PC dabei aber im wesentlichen als isoliertes, unilateral eingesetztes Werkzeug.
Für die breite Umsetzung der Multimediatechnologie in der baden-württembergischen
Wirtschaft wäre es aber notwendig, daß nicht nur die eher akademisch gebildete
Führungsebene in den Unternehmen, sondern auch die im praktischen Produktionsbereich
tätige mittlere Führungsebene sowie die hochqualifizierte Facharbeiterschaft
über einen vergleichbaren Kenntnis- und Fertigkeitsstand verfügen.
Zumindest die in der beruflichen Aufstiegsfortbildung tätigen Berufsschulen
und die überbetrieblichen Bildungszentren der Wirtschaft sollten sehr kurzfristig
mit Multimedia-Labors ausgestattet werden, die den Weiterbildungswilligen den
Kontakt mit den Online-Welten ebenso ermöglichen wie den Umgang mit CD-ROM und
CBT-Angeboten. Die anderen Einrichtungen der beruflichen Erstausbildung und
Weiterbildung sollten mit entsprechenden Einrichtungen möglichst rasch folgen.
Dem forcierten Einsatz der digitalisierten Lehr- und Lernmedien in der beruflichen
Weiterbildung kommt in Baden-Württemberg eine besondere Bedeutung zu. Während
Unternehmen mit vielen Mitarbeitern die Weiterbildungszeiten ihrer Mitarbeiter
meist langfristig planen können, ist dies bei den kleinen Unternehmen mit meist
auftragsabhängiger Produktion nicht möglich. Wegen der geringen zeitlichen Planbarkeit
kommt es deshalb oft zum Verzicht auf Weiterbildung. Die hier entstehende Lücke
könnten individuell abrufbare und einsetzbare Lernmedien schließen helfen.
Parallel hierzu muß aber auch ein breites Angebot von online oder über CD-ROM
nutzbarer, multimedial aufbereiteter Bildungsinhalte entwickelt werden. Die
bisher auf dem Markt befindlichen Angebote stellen meist nur eine Umsetzung
bereits seit langem vorliegender analoger Lehrbücher in digitale Formen dar.
Zudem konzentrierten sich diese Angebote überwiegend auf den Bereich der Grundbildung,
der auch in naher Zukunft durchaus noch in der traditionellen Unterrichtsform
bedient werden kann. Ein Bedarf an zeitlich beliebig einsetzbaren, individuell
abrufbaren Lerninhalten besteht heute vordringlich im Bereich der spezialisierten
Anpassungsfortbildung, bei der nicht das Lernen auf Vorrat im Vordergrund steht,
sondern das Kundigmachen. Während die Grundbildungsinhalte in der Regel über
längere Zeiträume hinweg für eine meist sehr große Nutzerzahl entwickelt werden
können, müssen diese Bildungsmedien für die Anpassungsweiterbildung meist sehr
kurzfristig und für einen eher kleineren Nutzerkreis erstellt werden.
In wesentlich geringerem Ausmaß als die akademischen Ausbildungssysteme hat
bisher das duale Berufsausbildungssystem auf die Notwendigkeit reagiert, für
den weiten Bereich der entstehenden Multimedia-Marktfelder geeignete neue Berufsbilder
zu entwickeln. Ansätze für Berufsbilder bieten sich in den Medientechniken in
umfassender Weise. Die Kammerorganisationen sind federführend in der Einführung
von neuen Berufen in die Arbeitswelt. Medienoperatoren und Medienoperatorinnen
sind als Fachkräfte für die visuelle und akustische Informationsaufbereitung
von zunehmender Bedeutung, ebenso wie Kaufleute in der audiovisuellen Medienproduktion,
um nur diese beiden Beispiele zu nennen. Um die institutionell bedingt sehr
langen Wege zu neuen Berufsbildern abzukürzen, könnten in Zusammenarbeit mit
den Handwerkskammern und den Industrie- und Handelskammern durch die Einrichtung
von Fortbildungsprüfungen praktische Erfahrungen gewonnen werden.
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